"just human - still - but"

2023 -2025

Die Titel meiner Werkserien sind keine Benennungen, sondern Verdichtungen. Sie komprimieren ein komplexes, einmaliges Geschehen — das menschliche Leben — in wenige Worte. Diese Reduktion dient nicht der Vereinfachung, sondern der Konzentration: Der Titel wird zu einer abstrakten Form dessen, was sich im Werk entfaltet.

Der Titel „just human — still — but“ ist eine weitere Verdichtung dieser Haltung. „Still“ lässt sich zugleich zeitlich und zuständlich lesen: als „immer noch“ und als „still“. Es entsteht eine kleine Sprachverschiebung, eine minimale Verwirrung der Bedeutungen, die nicht klärt, sondern öffnet.

Entscheidend ist das „but“. Es hält die Spannung aufrecht, verweigert den Abschluss und lässt Wege offen. Der Titel markiert keinen Endpunkt, sondern eine Haltung: das Verbleiben im Offenen.

 



"Babel"

2020 -2025

„Babel“ ist mein Lebensthema. Es ist kein abgeschlossenes Motiv, sondern ein offener Prozess — ein immer neues Ansetzen, ein immer neues Fragen nach Maß, Streben, Ordnung, Scheitern und Vollkommenheit.

Mich interessiert der Turm nicht als fertiges Monument, sondern als Baustelle: als Zustand der Spannung zwischen Konstruktion und Zerfall, zwischen Hoffnung und Gefahr. Der Turm steht breitbasig da und bleibt dennoch bedroht. Gerade in seiner scheinbaren Stabilität liegt seine Fragilität.

„Babel“ ist die einzige meiner Serien, in der ich bewusst an der Gegenständlichkeit festhalte. Der Turm ist für mich kein frei verfügbares Symbol, sondern eine Tatsache: etwas, das mir gegenübersteht und sich zugleich entzieht — Gegenstand und Widerstand zugleich.

Nicht der Turm selbst ist das eigentliche Thema, sondern der Turmbau als Prozess. In ihm zeigt sich die Unabschließbarkeit menschlichen Wollens und die Unerreichbarkeit von Vollkommenheit.

Darum kann „Babel“ nie zu Ende sein.



"Holzwege"

2022

Holzwege“ verweist auf den Weg, der nicht zu einem Ziel führt, sondern in das Offene hinein. Die Arbeiten dieser Serie entstehen im Vollzug des Malens — und erschließen sich im Vollzug des Sehens.

Die Bilder sind nicht auf einen Blick erfassbar. Sie fordern ein Mitgehen des Blicks: ein Verweilen, ein Verlieren, ein Wiederfinden. Linien führen, brechen ab, überlagern sich; Flächen öffnen sich und schließen sich wieder. Wahrnehmung wird hier zu einem zeitlichen Geschehen.

So entstehen keine Aussagen, sondern Erfahrungsräume. Was sichtbar wird, ereignet sich im Zwischenraum von Bild und Betrachter — als Lichtung im dichten Geflecht der Malerei.

Die unterschiedlichen Formate erzeugen unterschiedliche Weisen des Sehens: Nähe und Distanz, Überblick und Versenkung wechseln. Es gibt keinen Maßstab, keinen richtigen Weg — nur das Gehen des Blicks selbst.

„Holzwege“ bezeichnet so weniger eine Serie als eine Haltung: Sehen nicht als Erfassen, sondern als ein offenes, tastendes Unterwegssein.



"Out of Order"

2021

Out of Order entstand in einem Moment, in dem das Versprechen von Stabilität zerbrach. Was zuvor getragen hatte — Rhythmus, Gewissheit, Zukunft — verlor seine Verlässlichkeit. Übrig blieb ein Zustand der Unterbrechung.

In vielen Arbeiten zieht sich die Farbe vollständig zurück. Die Welt wird schwarz-weiß, reduziert auf Kontrast, Spur und Leere. Die expressive Geste bleibt, aber sie trifft auf Widerstand, auf Stille, auf etwas, das sich nicht mehr füllen lässt. Malerei wird hier nicht zur Behauptung von Sinn, sondern zur Konfrontation mit seinem Verlust.

„Out of Order“ bezeichnet keinen Defekt, sondern einen Riss: einen Zustand, in dem Ordnungen versagen und der Mensch seiner eigenen Endlichkeit, Ohnmacht und Offenheit gegenübertritt.



"Lauter Unsägliches"

2020

Der Titel der Werkserie Lauter Unsägliches ist Rilkes Neunter Elegie entnommen. Gemeint ist damit nicht ein Mangel an Sprache, sondern ein Übermaß an innerer Erfahrung — das, was sich der Benennung entzieht, weil es vor aller Begriffsbildung liegt.

Die Bilder dieser Serie bewegen sich genau in diesem Zwischenraum: Sie sind keine Darstellungen von Dingen, sondern Verdichtungen von Wahrnehmung, Erinnerung, innerer Bewegung. Sie geben dem Unsäglichen eine Form, ohne es festzulegen. Farbe, Geste und Raum werden zu Trägern dessen, was nicht gesagt, sondern nur erfahren werden kann.



"Nothing but unspeakable"

2019

In meinen Notizen halte ich immer wieder fest, dass Sprache — selbst im Modus des Sagens — zu langsam und zu linear ist, um dem gerecht zu werden, was ich ausdrücken will. Sprache entfaltet sich sequentiell in der Zeit; Wahrnehmung, innere Bewegung und Erfahrung hingegen sind gleichzeitig, überlagert, verdichtet.

Die Bilder entstehen aus dieser Differenz: nicht als Übersetzung von Gedanken in Formen, sondern als Versuch, einen anderen Zeitmodus von Ausdruck zu finden — einen, der Gleichzeitigkeit zulässt, wo Sprache nacheinander zwingt.



"Eroica unfinished"

2018 - 2019

Eroica unfinished bezieht sich auf Beethovens „Eroica“ als historisches Symbol des Heroischen und verschiebt es in einen Zustand des Fragmentarischen und Offenen. Die Serie untersucht das Nachleben großer Gesten, Ideale und Narrative in einer Gegenwart, in der deren Pathos brüchig geworden ist. In Verbindung mit meinen anderen Arbeiten zu Erinnerung und historischen Einschreibungen fungiert sie als kritischer Resonanzraum, in dem sich Kanon und Dekonstruktion, Pathos und Skepsis, Geschichte und Gegenwart überlagern.

Die Serie ist nicht als abgeschlossener Werkkomplex konzipiert, sondern als fortlaufender Prozess. Neue Arbeiten reagieren auf frühere, verschieben Akzente und öffnen neue Lesarten. Eroica unfinished bleibt damit selbst im Zustand des Unvollendeten — als bewusste Haltung gegenüber einer Welt, deren zentrale Erzählungen sich zunehmend als instabil, widersprüchlich und prekär erweisen.



"Just beyond"

"the borders of perception"

2017 - 2019

Diese Arbeiten bewegen sich in einem Zwischenraum, in dem Wahrnehmung in Bewegung gerät und Formen ihre Eindeutigkeit verlieren. In großen, dynamischen Formaten und durch analoge Prozesse entstehen Bilder, die nicht darstellen, sondern erfahrbar machen — Übergänge, Schichtungen und Zustände.

Sie laden nicht zum Erkennen ein, sondern zum Eintreten: in einen Raum jenseits des Benennbaren, in dem sich eine andere Art des Sehens eröffnet.



"Above or beyond"

2017 - 2018

Above or Beyond bezeichnet keinen Ort, sondern einen Zustand. Die Werkserie bewegt sich in einer offenen Spannung zwischen Setzung und Entzug, zwischen erhöhter Präsenz und ihrem Verschwinden.

Die Malerei ist gegenstandsfrei, nicht gegenstandslos. Sie verzichtet auf die Darstellung von Dingen, ohne sich von Wirklichkeit zu lösen. Farbe erscheint hier nicht als Mittel, sondern als Materie und Ereignis — als Schichtung, Spur, Fluss und Widerstand.

Die Arbeiten entstehen in einem prozessualen Umgang mit Material, Zeit und Aufmerksamkeit. Phasen intensiver körperlicher Tätigkeit wechseln mit langen Phasen des Schauens. Das Bild wird nicht ausgeführt, sondern ereignet sich.



"Just human"

2015 - 2017

Die Serie Just human nähert sich dem Menschlichen nicht als Motiv, sondern als Zustand. In Anlehnung an Friedrich Nietzsches Menschliches, Allzumenschliches versteht sie den Menschen nicht als Einheit, sondern als Prozess — als etwas Vorläufiges, Fragmentarisches, sich ständig Verschiebendes.

Die Arbeiten bewegen sich zwischen Figur und Auflösung, zwischen Materialität und Verschwinden. Das Menschliche erscheint als Spur, als Verdichtung, als Moment von Präsenz innerhalb eines instabilen Feldes. Nichts wird fixiert, nichts erklärt, nichts abgeschlossen.

So wird Malerei hier zu einem Denkraum: nicht zur Darstellung dessen, was der Mensch ist, sondern zur offenen Frage danach. Just human verzichtet auf Ideale ebenso wie auf Urteile — und besteht auf der einfachen, zugleich radikalen Geste, das Menschliche in seiner Unfertigkeit sichtbar zu lassen.




Druckgrafik

Aus der Serie "The Wheel of Time" 2016

Aus der Serie "The World of Thoughts" 2015

Aus der Serie "Heads" 2014

 



Zeichnung